Apolut Tagesdosis 2026: Zwischen Hoffnung und Ernüchterung | Von Wolfgang Effenberger

Versuch einer Prognose

Ein Kommentar von Wolfgang Effenberger.

Zum Übergang in das neue Jahr sprießen die Prognosen wie die Krokusse im Frühling. Während die einen für 2026 einen bedeutenden „Shift“ oder Wandel – aus wirtschaftlicher, geopolitischer und technologischer Perspektive vorhersagen, malen Andere ein Kriegsmenetekel an die Wand. Genaues wird man erst in einem Jahr wissen.

Geopolitischer und wirtschaftlicher Wandel

Schon im November 2025 veröffentlichte die niederländische ABN AMRO-Bank den „Global Outlook 2026 – The Shifting World Order“, der 2026 als potenziell transformatives Jahr charakterisiert. Der Bericht identifiziert drei große Verschiebungen:

  1. die transformative Wirkung von KI auf Arbeitsmärkte und Produktivität,
  2. Chinas „coming-of-age“ als eigenständige geo-ökonomische Macht (demonstriert durch die strategische Kontrolle von Seltenen Erden und Chip-Technologie), und
  3. eine fundamentale Neuordnung der globalen Handels- und Machtverhältnisse weg von Zolltarifen hin zu strategischen „Chokepoints“ in kritischen Lieferketten. (1)

Der Bericht vom November 2025 betont: Der Übergang von einer Weltordnung zur anderen ist in vollem Gang, wobei 2026 die Beschleunigung dieser Entwicklung markieren könnte.

2026 sei das Jahr des fundamentalen Wandels, „aber es ist noch unklar, wie diese neue Weltordnung aussehen wird“.

Auch die anderen großen „Global Outlook 2026“-Berichte von BNP Paribas, J.P. Morgan und Morgan Stanley sind primär auf Englisch verfasst. Deutschsprachige Wirtschaftsmedien wie ING bieten eigene Ausblicke für 2026 („Outlook 2026: The world right now“), allerdings ebenfalls auf Englisch. (2)

Die Prognosen für 2026 unterscheiden sich deutlich von jenen für 2025, indem sie nach einer langen Rezessions- und Stagnationsphase eine Erholung und Stabilisierung erwarten – allerdings mit gedämpftem Optimismus.

Für Deutschland wird eine moderate Erholung prognostiziert

Nach drei Jahren wirtschaftlicher Stagnation und Rezession (2022-2024) erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für Deutschland 2026 eine moderate Erholung mit deutlichen Unterschieden in den Prognosen. (3)

Die Wachstumsprognosen für 2026 variieren erheblich:

  • Bundesbank: 0,7% (konservativste Schätzung)
  • Bundesregierung: 1,3%
  • IMK (Hans-Böckler-Stiftung): 1,4%
  • Bankenverband: 1,4%
  • KfW Research: 1,5% (optimistischste Prognose nach deutlicher Aufwärtsrevision um 0,5 Prozentpunkte)
  • DIW: 1,6%

Für 2025 rechnen alle Institute mit mageren 0,2% Wachstum nach zwei Jahren schrumpfender Wirtschaftsleistung. Die Bundesregierung formuliert vorsichtig: „Nach zwei Jahren rückläufiger Wirtschaftsleistung deutet sich im Herbst 2025 eine leichte konjunkturelle Erholung auf niedrigem Niveau an“. Die Bundesbank versucht der Regierung Schützenhilfe zu geben: Die wirtschaftliche Erholung „verzögert sich aufgrund der Unsicherheit über die internationale Handelspolitik“ und kommt nur „langsam in Gang“. Der Bankenverband konstatiert:

„Nach mehr als einer halben Dekade wirtschaftlichen Stillstands sehen wir endlich eine belastbare Basis für ein nennenswertes Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr.“

…https://apolut.net/2026-zwischen-hoffnung-und-ernuchterung-von-wolfgang-effenberger/


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