Ein Doc-Bob-Kommentar für Meinungsmonopol

Es beginnt immer harmlos. Mit einem freundlichen Ton. Mit einem kurzen Check. Mit dem Satz: „Keine Sorge.“

So funktionieren Systeme, nicht Diktaturen.

Du bist deutsch. Und Deutschsein ist erst mal kein Schaden. Für dich.
Noch nicht, glaubst du.

Das ist kein Vorwurf. Das ist kein Zustand.

Denn das Entscheidende ist nicht, was passiert, sondern wem es passiert.

In Venezuela wurde ein Mann abgeholt. Ein Präsident. Ein Straftäter. Ohne Mandat. Ohne Zustimmung. Ohne Verfahren im Vorfeld.

Ein Völkerrechtsbruch. Keine Diskussion.

Und trotzdem haben viele genickt.

Nicht aus Blutlust. Nicht aus Machtfantasie. Sondern aus Erleichterung.

Weil plötzlich jemand Verantwortung tragen muss. Weil ein Führer nicht mehr unantastbar ist. Weil ein Gericht wartet.

Und genau hier wird es für uns interessant.

Denn während wir laut „Undemokratisch!“ rufen, denken wir leise: Zum Glück betrifft mich das nicht.

Noch nicht.

In Deutschland nennt man das dann „alles im Rahmen“. „Nicht perfekt, aber stabil.“ „Die anderen sind auch nicht besser.“ „Was soll’s – ich bin ja deutsch.“

So klingt keine Freiheit. So klingt Verwaltung.

Demokratie stirbt nicht durch Panzer. Sie stirbt durch Gewöhnung. Durch Toleranzspielräume. Durch das ständige Verschieben der Grenze dessen, was „noch okay“ ist.

Wie viele Lügen sind noch in Ordnung? Wie viele gebrochene Versprechen? Wie viele Jahre Stillstand?

Keine Antwort? Verständlich. Das ist neu. Oder vielleicht auch nicht.

Denn das wirklich Unheimliche an der Aktion in Venezuela ist nicht der Regelbruch.

Es ist die Frage, die bleibt:

Wie viel Demokratie haben wir vorher schon verloren, damit sich ein Regelbruch plötzlich richtig anfühlt?

Doc Bob sagt nicht: Das ist gut. Doc Bob sagt auch nicht: Das ist falsch.

Er sagt:
Schau hin. Und hör auf, dich sicher zu fühlen, nur weil du noch auf der richtigen Seite des Schalters stehst.

Du bist deutsch. Deutschsein ist kein Schaden.

Noch nicht. Glaubst du.


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