Im historischen Sinne gibt es keine „Linken-Nazis“. Der Nationalsozialismus war eine klar rechte, völkische Ideologie, brutal, mörderisch, rassistisch. Punkt. Aber im heutigen Sprachgebrauch ist „Nazi“ längst zum politischen Gummibegriff geworden. Kaum jemand gebraucht ihn noch präzise. Stattdessen wird er inflationär als Keule genutzt – gegen alles und jeden, der nicht ins eigene Meinungskorsett passt. Paradebeispiel: Jan Böhmermann. In seiner Welt ist jeder, der nicht lacht, klatscht und nickt, ein Nazi. Der Mann verteilt den Stempel schneller als Amazon Prime seine Pakete.
Doch genau hier liegt die Gefahr: Wer alles und jeden zum Nazi erklärt, entwertet den Begriff – und verharmlost die wirklichen Neonazis. Gleichzeitig wächst ein anderes Problem: Auch Linke sind autoritär. Nicht alle, natürlich. Aber zu viele fühlen sich moralisch so sehr im Recht, dass sie Andersdenkende nicht mehr ertragen können. Sie wollen nicht nur überzeugen – sie wollen verbieten, belehren, canceln. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann gibt’s Pflastersteine oder Buttersäure.
Klingt überzogen? Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie schnell das kippen kann. Die RAF entstand aus einem Milieu, das sich moralisch überlegen fühlte. „Antifaschistisch“ nannten sie sich – und entwickelten selbst totalitäre Strukturen. Gewalt wurde zum legitimen Mittel der politischen Auseinandersetzung. Wer nicht für sie war, war der Feind. Das Muster ist brandgefährlich – und wer heute applaudiert, wenn ein Politiker verprügelt oder ein Auto abgefackelt wird, sollte sich daran erinnern: Die RAF rechtfertigte ihre Gewalt einst mit dem Anspruch, für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen – am Ende blieb nur Terror.
Und jetzt kommt der eigentliche Witz: Während Böhmermann und Co. im Dauerfeuer „Nazi, Nazi, Nazi!“ schreien, rücken sie selbst in die Rolle, die sie so sehr verachten. Autoritär, menschenverachtend, intolerant. Wenn der selbsternannte Moralapostel zum Zuchtmeister wird, unterscheidet er sich in der Haltung nicht mehr viel vom Gegner, den er bekämpft. Nur die Schlagworte sind andere.
Was wir in Wahrheit brauchen, ist etwas ganz anderes: Eine Politik, die redet. Links, rechts, liberal, konservativ, grün, blau – völlig egal. Eine Demokratie lebt vom Dialog, nicht von Gewalt, nicht von Cancel Culture und schon gar nicht von moralischer Überheblichkeit. Wer nur noch Keulen schwingt, statt Brücken zu bauen, wird am Ende selbst zum Extremisten.
Oder, um es mit einem Augenzwinkern in Richtung Böhmermann zu sagen: Nicht jeder, der deine Witze nicht lustig findet, ist ein Nazi. Vielleicht hat er einfach Humor.
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